Reiseberichte

Martha’s Vineyard & Nantucket

Martha’s Vineyard

Beim Auslaufen von Newport eine Glockentonne. Die am oberen Teil befestigten Klöppel schlagen bei Wellengang an die Glocke. Das hört man wirklich weit, im Nebel sowieso und kann die Glocke auch ziemlich genau orten.

Auch die Navy ist allgegenwärtig

Dass sie dafür gebaut wurden ist wohl klar. Die Werbung, die sie dafür machen ist mehr Wunschgedanke, hoffentlich!!

Martha’s Vineyard ist heute eine Nobelferiendestination. Im Winter 15’000 Einwohner, im Sommer 120’000.Ein Haus schöner als das andere, und für Normalsterbliche unbezahlbar.

In Martha’s Vineard waren wir an einer Boye. Vor Saisonbeginn sind diese umsonst!!! Als wir am darauffolgenden Tag den Motor laufen liessen um Strom zu prodzieren kam der Motorenalarm. Und das ist an und für sich schon ein Supergau.

Eine erste Analyse, kein Kühlwasser mehr. Verliert ein Dieselmotor sein Kühlwasser,tönt das immer nach Grossreparatur und Ersatzteilbedarf. Immer wenn etwas am Motor muckt, rufe ich Heinz Dirnberger an, der weiss alles über Dieselmotoren in Schiffen. Am Telefon noch hat er mich angewiesen, nach dem Boiler zu sehen, der vom Motorkühlwasser beheizt wird. Und präzise, dort hat es getropft. Grossschreck wurde zum Kleinschreck.

Ich habe beim Erneuern von Warmwasserleitungen versehentlich einen kleinen Entlüftungshahn, ich wusste gar nicht das es den gab, berührt und leicht geöffnet. Alles Kühlwasser ist in die Bilge darunter getropft.

So ist unser Aufenthalt an Land in Martha’s Vineyard nur kurz ausgefallen, die Befüllung und vor allem Entlüftung des Kühlwasser Kreislaufes hat einen ganzen Tag gedauert, Rückenschmerzen inbegriffen.

Nördliches Leuchtfeuer auf Martha’s Vineyard auf dem Weg nach Nantucket. Der Motor läuft wieder rund.

Leuchtfeuer Einlauf Nantucket. Erbaut um ca. 1780. Rechts die Barre (Sandaufschüttung unter Wasser) die Schiffen mit mehr als 12 Fuss Tiefgang (ca 4m) den Hafenzugang verunmöglicht.

Einmal keine Schwimmstege, sondern Wald wie es die Ami nennen. Man muss mit langen Leinen anlegen um das Schiff nicht „aufzuhängen“ bei Flut oder Ebbe.

Die alten Docks der ehemaligen Walfängerflotte. Im Hafen von Nantucket lagen bis zu 500 Walfänger. Heute sind es gleich viele Boote, im Sommer noch mehr.

Ganz hinten in der Reihe liegen wir.

Die Amis sind ziemlich talentiert, ansprechende Schaufensterauslagen zu präsentieren, hier mit Unterstützung von Blumenkästen, die quasi an jeder Ladenfront in Nantucket angebracht sind. Und der Offroader im Glas ist das übliche Fahrzeug hier.

Diese Kirche, erbaut um 1750, ist Teil das wirtschaftlichen Erfolges der Insel in den Jahren 1830 bis 1870. Besiedelt wurde Nantucket um 1700 durch Siedler die dem puritanischen Druck auf dem Festland entweichen wollten. Das mussten auch die Quäker.

Bei den Quäker ist wirtschaftlicher Erfolg ein gutes Zeichen Gottes. Die ersten Siedler haben von den einheimischen Indianer gelernt, dass Wale das Überleben auf einer eher sandigen, kargen Insel garantieren. Innerhalb von ca. 100 Jahren haben sie gelernt, wie man Wale auch Offshore erlegen kann.

Und dann ging das Walbusiness los.

Und das ist die Bank die den gesamten Walfang finanziert hat. Damals mehr als Big Business.

Ein Walfang Boot mit 6 Walfänger an Bord.

Walfangsegelschiffe wurden von der Bank oder reichen Händler gebaut und Kapitänen zur Verfügung gestellt. Der Kapitän musste das Schiff innert nützlichen Frist wieder gefüllt mit Walöl nach Nantuckert zurückbringen. Er wurde mit 1/8 des Ertrages aus dem Walöl entlöhnt. Ein Schiffsjunge (10 -13 Jahre alt) bekam ca. 1/250 des Ertrages. An Bord herrschte eiserne Disziplin. Alle hatten das Ziel so schnell als möglich mit voller Ladung zu Hause anzukommen. Das hat diese Walfänger derart erfolgreich gemacht, dass sie innerhalb ca. 70 Jahren die gesamte Pottwalpopulation fast ausgerottet hatten.

Gestoppt wurde dieser Kreislauf durch Ölfunde in Pennsylvenia. Aus diesem Rohöl wurde Kerosin hergestellt, das für die Lampen der damaligen Zeit das Walöl ablöste. Es war auch wesentlich billiger. Hauptakteuer war ein gewisser John Rockefeller mit seiner Standard Oil. Mit dem Rest des Rohöles wusste man nicht so recht was man anfangen sollte. Bis Leute wie Henry Ford Autos mit Benzin und später mit Diesel auf den Markt brachten.

Wurde ein Wal gesichtet, lies man die Boote zu Wasser. So schnell als möglich ruderten diese zum Wal. Der Harpunier, 1/30 Anteil, musste die Harpune möglichst in der vorderen Hälfte des Wales platzieren. Eine 2. Harpune im hinteren Teil des Wales. Sobald der Wal harpuniert war ergriff er die Flucht. Mit 15 Knoten auf und davon. Ein wilder und gefährlicher Ritt. Die beiden Leinen wurden gefiert, mussten dabei immer nass gehalten werden, ansonst wäre der Bremsholzstumpf entbrannt. Der Wal ermüdete nach ca. 20 Minuten und blieb liegen. Nun wurde ihm eine lange Lanze in die Lunge, gleich hinter den Seitenflossen gestossen.Kurz hin und hergestossen, so dass eine möglichst grosse Verletzung entstand. Sobald Blut aus dem Blas des Wales kam, haben die Walfänger schleunigst das Weite gesucht, um sich vor dem ausschlagenden, sterbenden Tier in Sicherheit zu bringen. Danach haben sie den toten Wal zum Mutterschiff zurückgerudert, zerlegt und eingekocht. Die Kochkessel, einmal eingefeuert mit Holz, wurden mit Walhaut befeuert, der Wal hat sich quasi selbst gekocht.

Und das war das Ergebnis. Reinstes Walöl. Dieses Walöl hier wurde von einem gestrandeten Pottwal entnommen. Sein Skelett hängt nun auch im Museum.

Dieses Business war derart erfolgreich und profitabel, weil Walöl für die Schmierung aufkommender Maschinen der Frühindustriealisierung unumgänglich war. Und Kerzen aus Walöl brannten heller und rauchfrei. Und Lebertran gab es auch,   aber das ist eine andere Geschichte.

Und das sind die Häuser, die sich die erfolgreichen Walfänger und Walölhändler leisten konnten.

Viele der Strassen sind noch im Originalzustand

2-stöckig, Ziegelbau.

Und oben auf dem Dach ein Ausguck. Die Walfänger waren zum Teil mehrere Jahre unterwegs, solange, bis das Schiff mit Pottwalöl gefüllt war. Und lief ein Schiff ein, wurden die Kirchenglocken geläutet. Und vom Ausguck des Hauses konnten die Frauen des Kapitäns mit dem Fernrohr nachsehen, ob es das Schiff ihres Mannes war.

Und obendrauf die Wetterfahne

Die Reichern hatten Fenster, die anderen nur Plattformen.

Nach dem Aus des Walfanges, was nun mit Nantucket? Aus ca 10’000 Inselbewohner wurden zuerst mal 3’000 Bewohner. Und die waren ziemlich arm, die reichen Händler waren die Ersten die die Insel verliesen. Während ca. 50 Jahren war nichts mehr los auf der Insel. Dann hat der Tourismus die komplett intakte Insel entdeckt. Ab den 1970 Jahren darf in Nantucket nur noch 2 stöckig in Holz gebaut werden. Und Schindeln sind Pflicht.

Nantucket ist ein Freilichtmuseum. Die ganze Insel. Alle Häuser sind ziemlich identisch, klein und genau so teuer wie die grossen Villen auf Martha’s Vineyard. Und die Touristen kommen scharenweise.

Viele Strassen sind noch ursprünglich, etwas was man in den USA heute so nicht mehr findet

Und auch den Quäker und deren Grabstätten wird Sorge getragen. Sie haben dazu beigetragen, dass nantucket sehr erfolgreich während rund 50 Jahren zu Reichtum kam und heute eine sehr umweltbewusste Insel ist

Dieses Haus, nahe an den Klippen, und noch ca. 20 Stürme bis zum Untergang, wurde einige Tage vor diesem Foto für eine Million $ verkauft.

Und hier sind es noch ca. 5 Meter bis zum Klippenrand

Deshalb wurde es vom Inselkünstler auch auf Öl verewigt. Ist es mal verschwunden,  wird der ehemalige Besitzer sicher einen guten Preis dafür bezahlen!!!

Diesen Leuchturm hat man ca. 100 Meter zurückversetzt.

Mit Gail und 12 anderen Nuntacket Besucher haben wir eine Tour über die Insel gebucht.

Alles aus Walknochen und Barten hergestellt. Man kann es wie eine Zieharmonike ain – und ausfahren. 1825 erstellt.

Nun geht es in 2 Etappen bis Boston, Cap Cod lassen wir aus, wir müssen ein paar Reservetage für zu erwartendes schlechtes Wetter schaffen.

Bis bald

Paul

 

 

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